KNORR-BREMSE, D-MÜNCHEN
Elektronisches Bremssystem für Trailer (TEBS G2)Trailer-EBS-Systeme wurden mit zwei Jahren Verzug (1998 zu 1996) nach den LKW-EBS-Anlagen entwickelt. Parallel zu dem gewünschten besseren Zeitverhalten („Ansprechen“) und dem Abgleich der eingesteuerten Bremskräfte durch Vergleich der Polraddrehzahlen an Zugmaschine und Anhänger („Differenzschlupfregelung“) wurden auch die Zahl der einzelnen Bremsgeräte im Trailer reduziert. Während der Geräteplan einer konventionellen pneumatischen Sattelanhänger-Bremsanlage 1995 noch 65 Komponenten aufweist (inklusive Luftfederanlage und Federspeicher-Bremszylinder), sind es bei einer Trailer-EBS-Anlage von 2007 gerade mal noch 20. Die Reduktion der Gerätevielfalt erfolgte vor allem durch Integration von immer weiteren Funktionen in das EBS-Modul.
Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand, der für solche Systeme betrieben werden muss, hat zur Folge, dass es für die in Europa verwendeten Systeme nur noch drei Anbieter gibt.
In den vergangenen Jahren wurden die Trailer-EBS-Anlagen dahingehend optimiert, immer mehr Zusatzfunktionen erfüllen zu können und immer mehr Ereignisse aus der Nutzung der Anlage speichern zu können (in Hinblick auf die Verwendung zum Beispiel in Telematik-Anlagen). Nicht immer lassen sich diese Zusatzfunktionen auf einen Blick feststellen, da die Hersteller sich bisher nicht auf einheitliche Funktionsbezeichnungen und Abkürzungen einigen konnten.
Das TEBS G2 von Knorr Bremse wurde für einen weltweiten Einsatz konzipiert. Es funktioniert mit einer Betriebsspannung von 8 bis 32 Volt, ist also nicht auf eine Variante festgelegt. Neben einer optional einfacheren Montage der Druckleitungen (push fittings) und einem verbesserten Spritzwasserschutz der elektrischen Verbindungen (Steckverbindungen senkrecht) wurde die Ansteuerung der Federspeicher-Zylinder vereinfacht: Alle vier Druckleitungen werden jetzt vom Modul aus verlegt, es werden keine Abzweige mehr benötigt. Wichtig ist vor allem die Erweiterung der Schalteingänge für Sonderfunktionen. Es stehen jetzt fünf zur Verfügung (bei 2S/2M-Anlagen sieben), womit nicht von vornherein festlegbare Zusatzfunktionen programmiert werden können. Dies kann – einfache Funktion – beispielsweise eine Türkontakt-Belegung sein, die wiederum von einer Telematik-Anlage abgegriffen wird. Von entscheidender Bedeutung für erweiterte Anwendungen ist der Datenspeicher.
Ohne programmierte Zusatzfunktionen können jetzt bereits ermittelt werden:
• Fahrzeuggeschwindigkeiten,
• Pneumatisch eingesteuerte Bremsdrücke (Redundanzfall),
• Über CAN elektrisch eingesteuerte Bremsdrücke,
• ABS-Regelungen,
• Stabilitätsprogramm-Regelungen (erstes Niveau),
• Stabilitätsprogramm-Regelungen (zweites, erweitertes Niveau),
• Fehlerspeicher,
• Kilometerzähler,
• Tageskilometerzähler,
• Serviceintervall,
• Achslast,
• Aggregatlast,
• Status Belagverschleißsensierung,
• Systemdruck,
• Tragbalddruck (alle Angaben nach TEBS G2 diagnostics v.1.2.0.9).
Eine Funktion wurde aus der RSP- (Roll stability support)Funktion entwickelt: Für Kippfahrzeuge kann TEBS G2 eine Kippwinkelsperre aktivieren. Sollte sich während des Kippvorgangs das Fahrgestell über eine bestimmte Gradzahl (parametrierbar von 2 bis 15 Grad) zur Seite neigen, kann das TEBS auf ein Sperrventil des Hebezylinders geschaltet werden. Diese Funktion beherrscht nur TEBS G2 und ist zum Patent angemeldet.
